Geschichte
Die Arbeit an diesem Buch, die sich über ein ganzes Jahr zog, hätte ich gerne mit meinem Vater gemacht, lernte ich doch das Büchermachen von ihm, der er auch Gestalter war. Aber er starb davor, und so wurde die Auseinandersetzung damit zu meiner Trauerarbeit.
Curt war eigentlich bildender Künstler. Er zeichnete, malte und arbeitete sein Leben lang auch an Skulpturen und Plastiken. Aber seine abstrakte, sehr emotionale Kunst war in seinen jungen Jahren nicht gefragt, und als zwei Kinder unerwartet ins Spiel kamen – meine Schwester und ich – sah er sich gezwungen, ein regelmäßiges Auskommen zu finden, und begann als Siebdrucker zu arbeiten. Deshalb ist der Buchtitel auch ein Siebdruck auf Leinwand.
Später wurde er Werbegrafiker. Die letzten Jahre seines Berufslebens war er dann Gestaltungsleiter in einer großen internationalen Firma. Aber all das war sekundäres Tun, auch wenn es die meiste Zeit einnahm. Primär blieb für ihn immer seine Kunst-Leidenschaft. Die Farben. Die Formen. Das Lernen, jenseits der Worte.
Weil ich immer mochte, dass er sich nicht um Galerien und Sammler scheren musste, weil die Brötchen ja schon verdient waren, und er deshalb immer wieder hemmungslos seinen Stil änderte und ganz Überraschendes ans Licht brachte, wollte ich dieses Buch machen. Es erzählt sehr viel von einem Menschen, seinem Gehen, seinen Zweifeln und seinem Lernen, wenn es gelingt, mit einem stillen Geist auf seine Bilder zu schauen.
Und ich erzählte es ganz einfach einem Zeitpfeil entlang und reihte chronologisch alle Bilder, die meine Mutter und ich ausfindig machen konnten, hintereinander. Dabei traf ich keine Auswahl. Alles, was wir fanden, ist im Buch. Wir schätzen, dass es ein Zehntel dessen ist, was er schuf, meistens verschenkte, manchmal verkaufte, oder mit Kolleg:innen tauschte.
Ein Mann des Wortes war er in Bezug auf seine Kunst nie. Ich hörte ihn nie etwas erläutern, interpretieren oder auch nur beschreiben. Seine Kunst war, dachte ich irgendwann, als ich die Bilder für das Buch fotografisch zu reproduzieren begann, wie das Wetter. Sie ändern sich so plötzlich, wie es oft auch der Himmel tut. So wurde mir die Meteorologie, mehr denn die Kunstgeschichte, zum Leitfaden, der kleinen Texte, die ich dazu schrieb.
Sein Lieblingskomiker Karl Valentin schenkte uns ein wunderbares Zitat, das Curts Arbeit, aber auch ihn als Person, in einer sehr treffenden Weise poetisch umarmt und beschreibt. Deshalb stellte ich es dem Buch voran:
“Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.”
Hier, zur Ansicht, ein PDF des gesamten Buches:
tOmi














