Ende der Zeitzeugenschaft? Über den Umgang mit Zeugnissen von Überlebenden der NS-Verfolgung (2024)

Herausgegeben von: Hg. Anika Reichwald, Julius Scharnetzky und Johannes Lauer, zusammen mit Hanno Loewy und Jörg Skriebeleit

400 Seiten | mit 275 Abbildungen

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Geschichte

Die Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ war vom 10. November 2019 bis 16. August 2020 im Jüdisches Museum Hohenems zu sehen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Ausgangspunkt war eine einfache, zugleich große Frage: Wie gehen wir mit Erinnerung um, wenn die letzten Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung nicht mehr selbst erzählen können?

Die Ausstellung richtete den Blick auf die Geschichte der Zeitzeugenschaft seit 1945. Auf Interviews, Videoaufzeichnungen, öffentliche Auftritte. Auf die Beziehungen zwischen Zeitzeug:innen und Interviewer:innen, zwischen Medium und Gesellschaft. Erinnerung erscheint hier als Erzählung, gewachsen aus Erfahrung, geprägt von Kontexten – in Gerichtssälen, Schulklassen, Fernsehstudios, in Forschung und Öffentlichkeit. Auch bislang unveröffentlichte Interviews aus der Videosammlung des Jüdischen Museums Hohenems wurden erstmals sichtbar.

Nach der Station in Hohenems war die Ausstellung an vielen Orten zu sehen: in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, im NS-Dokumentationszentrum München, im Jüdischen Museum Augsburg-Schwaben, in der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, im Haus der Geschichte Österreich, an der Universität Regensburg, aktuell im Historischen Museum Frankfurt und künftig im Dokumentationszentrum Nationalsozialismus Freiburg.

Für mich erhielt diese Auseinandersetzung während meiner Zeit im Jüdischen Museum Hohenems eine unerwartete persönliche Tiefe. Im Rahmen meiner Arbeit durfte ich Listen von Geflüchteten, die zwischen 1938 und 1945 über die Schweizer Grenze entkommen waren, in die Hohenemser Datenbank einarbeiten. Bei diesen Recherchen stieß ich in den Archiven auf die Spur meines Großonkels, der seit etwa 1942 als verschollen galt.

Er war Häftling im KZ Flossenbürg, weil er sich weigerte, im Krieg zu kämpfen. Ein Name, eine Akte, wenige Dokumente – darunter der Vermerk einer „Überstellung“ im Jänner 1944 nach Auschwitz. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde er, wie viele andere Südtiroler, in den letzten Kriegsmonaten in eine Uniform gezwungen und in den Kämpfen rund um Berlin eingesetzt. Dort verliert sich seine Spur.

In diesem Moment verband sich Familiengeschichte mit jener großen historischen Erzählung, die diese Ausstellung sichtbar macht. Und für mich persönlich schloss sich eine Lücke: Mein Großvater hatte bis zu seinem Tod im Jahr 2012 unter dem Verlust und der Ungewissheit über das Verschwinden seines Bruders gelitten.

Das Buch „Ende der Zeitzeugenschaft?“ lädt dazu ein, über Erinnerung, Vermittlung und Verantwortung nachzudenken – und darüber, wie Geschichte weitergetragen wird, wenn Stimmen verstummen.

Es ist ein stilles Buch. Aber eines, das gerade auch deshalb laut bleiben muss. Denn, in einer Zeit, in der Sprache wieder verengt wird und radikale Ideen erneut Angst machen, ist dieses Buch wichtiger als je zuvor…

Ab sofort ist das Buch bei uns im revaLoops-Shop erhältlich.

Danke Hanno und danke an alle Mitwirkenden!

chizzi

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