Letzte Woche war ich für eine Woche in Vorarlberg und mit revaLoops beim zweitägigen MyHope Kongress zum Thema Vertrauen in Götzis. Diese Tage haben unglaublich viel in Bewegung gebracht. Vertrauen ist bekanntlich kein abstrakter Begriff, sondern etwas sehr Konkretes. Es entsteht vordergründig in einem selbst, in Begegnungen, im Zuhören, im Aushalten unterschiedlicher Perspektiven. Genau das war in diesen Tagen spürbar und erlebbar.
Schon zu Beginn wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, sich Zeit füreinander zu nehmen und wirklich präsent zu sein. Menschen kamen zusammen, um miteinander zu sprechen, um zuzuhören, Fragen offen zu lassen und gemeinsam weiterzudenken. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen und vieles auseinanderdriftet, war dieser Raum für Austausch und Aufmerksamkeit von großer Bedeutung.
Ich habe in dieser Woche viele vertraute Orte besucht (immerhin habe ich von September 2019 bis September 2024 hier gelebt) und viele Menschen getroffen, die ich seit Jahren kenne, mit denen der Kontakt gehalten hat, oder die mich heute neu inspirieren.
Natürlich das Jüdische Museum Hohenems, mein ehemaliger Arbeitsort und jener Ort, an dem ich mich nach einer langen, gesundheitlich schwierigen Phase wieder aufgebaut habe, war dabei ein zentraler Punkt. Ich war gleich mehrmals dort und habe ruhige, dichte, intensive Gespräche geführt, unter anderem mit Freunden wie Markus Wäger, Hanno Loewy, Anita, Dinah, Franzi, Martina oder Raphael. Abgesehen von der Freude des Wiedersehens, haben mir sämtliche Begegnungen erneut gezeigt, wie wichtig Erinnerungsarbeit ist und wie eng sie mit Verantwortung in der Gegenwart verbunden bleibt.
Auch außerhalb des Museums entstanden richtig wertvolle Gespräche. Ich traf zum Beispiel Sigi Ramoser oder Conny Steurer und spürte, wie viel entsteht, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen einander offen begegnen. Besonders fein waren für mich auch die Treffen mit Freundinnen und Freunden wie Marina, Denis Mujovic oder Valentin Fetz, die sich seit Jahren konsequent in der Ukraine Hilfe engagieren, sowie mit meinem revaLoops Partner Denis Vellacher mit dem ich stets in die Tiefe des Lebens eintauchen kann. In all diesen Begegnungen ging es nicht um Darstellung des eigenen Tuns, sondern um gemeinsames Dranbleiben, um Kontinuität, um Haltung.
Zum Kongress eingeladen hat mich Christian Kletzl. In seinem Vortrag zum Thema Vertrauen und Wirtschaft wurde sichtbar, dass wirtschaftliches Handeln Verantwortung trägt und Beziehungen braucht, dass Vertrauen auch hier eine Grundlage sein kann. Für mich war es bewegend, gemeinsam mit tOmi und revaLoops Teil dieses Gedankens zu sein und zu erleben, wie unsere Arbeit in diesen Kontext eingebettet wurde.
Was mich besonders beschäftigt hat, war die Atmosphäre des gegenseitigen Respekts. Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenswegen, politischen Zugängen und Erfahrungen kamen miteinander ins Gespräch. Es ging nicht darum, sich einig zu sein, sondern darum, einander ernst zu nehmen. In einer Zeit, in der Misstrauen oft lauter wird als Zuhören, war das ein wichtiges Zeichen.
Nach dem Kongress führte mich mein Weg gemeinsam mit meiner Freundin Barbara ins Frauenmuseum Hittisau. Dort nahm ich an einem Treffen teil und besuchte die Ausstellung zum Thema Frieden. „Frieden tun“ wird hier als Aufgabe verstanden, die im Alltag beginnt. In Beziehungen, in Sprache, in Entscheidungen. Diese Sichtweise hat mich total angesprochen, weil sie Verantwortung nicht auslagert, sondern bei jedem Einzelnen verortet. Genau mein Ding. Zumal die Entwertung großer Begriffe wie Freiheit und Frieden permanent voranschreiten und leider immer öfter in oberflächlichen Meinungen verkommen.
Zum Abschluss war ich in Hohenems in der Villa Rosenthal, dem heutigen Literaturhaus Vorarlberg. Das Treffen und das Gespräch mit Frauke Kühn war offen und von gegenseitigem Interesse geprägt, und es brauchte nicht lange, um auf die Themen unserer Zeit zu sprechen zu kommen. Sehr schnell wurde deutlich, wie sehr Kunst, Literatur und kulturelle Arbeit Räume schaffen, in denen gesellschaftliche Fragen verhandelt werden können und müssen.
Überall, wo ich unterwegs war, blieben die Begegnungen auf Augenhöhe. Menschenrechtsposter und Bücher wurden weitergegeben als Einladung zum Gespräch. Jeder Ort, jede Begegnung war getragen von Werten, die mir wichtig sind. Echte Demokratie, Menschenrechte und ein friedliches, freies Zusammenleben sind eben keine Schlagworte, sondern eine tägliche Aufgabe, tagtägliche Arbeit.
Diese Reise hat mich massiv darin bestärkt, weiterzugehen. Auch dann, wenn Wege länger sind und Ergebnisse nicht sofort sichtbar werden. Veränderung entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – nicht nur reden.
Ich bin enorm dankbar für diese Tage und für all die Begegnungen, die mich begleitet haben.
Ein besonderer Dank gilt meinem syrischen Freund Hussein für seine Unterstützung. Ebenso danke ich Sylla und Barbara für die Aufnahme in ihrem privaten Wohlfühl-Hotel und Christian Kletzl sowie Bertram Strolz, die diese Teilnahme am Kongress möglich gemacht haben.
chizzi
