15/04/2026 chizzi

45!

Island? Krisland? eine Geschichte im Jahr 2008

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, zu diesem Geburtstag einen anderen Blogeintrag zu schreiben. Eine Art Zwischenbilanz. Über alles, was in den letzten sieben Monaten bei und mit revaLoops passiert ist, alles seit dem 4. September, an dem ich meinen Gewerbeschein in den Händen hielt. Gedanken, Zahlen, Hürden, Freuden. Eine klassische Rückschau, wie sie sich gehört.

Doch je länger ich darüber nachdachte, desto weniger reizte mich diese Idee. Es fühlte sich an wie eine Pflichtübung, wie etwas, das man einfach tut, weil es dazu gehört. Erwartbar. Aber es wäre vor allem immer eines: unvollständig. Denn während ich versuchte, die Fakten und Erfolge und die neuen Loops in eine ordentliche Form zu bringen, tauchte immer wieder etwas anderes auf. Eine Erinnerung, die sich einfach nicht in Stichpunkte fassen ließ. Kein Bericht, sondern ein Gefühl. Ein leiser Ruf, dem ich nicht widerstehen konnte.

Also beschloss ich, dieser Spur zu folgen.

Sie führt mich zurück ins Jahr 2008.
Genauer gesagt: in den April 2008.

Es war diese seltsame Zeit kurz vor dem Aufbruch, in der alles schon beschlossen ist und sich trotzdem noch unwirklich anfühlt. Ich hatte ein One-Way-Ticket nach Island gekauft. Einfach so. Ohne Plan B. Ohne Rückfahrt oder Rückflug. Ohne die Gewissheit, dass alles oder irgendwas gut gehen würde. Es war kein impulsiver Entschluss, sondern das Ergebnis eines spannenden Prozesses, eines langsamen Loslösens von dem, was ich kannte, und dem Reiz, eines weit schnellerem Hinwendens zu dem, was ich nicht kannte.

Zwei Monate zuvor hatte ich über „willhaben“ einen weißen VW T3 gekauft. Rund 2.000 Euro. Mehr war nicht drin. Der Bus war eher kein Symbol für Freiheit, zumindest nicht auf den ersten Blick. Er war eine Baustelle. Ein Projekt, das erst noch Form annehmen musste. Ich erinnere mich an ölverschmierte Hände, an einen kleinen Unfall bei einer Reparatur, an dieses ständige Abwägen: Reicht das Geld? Ich hatte kein großes Polster für eines der teuersten Länder der Welt, eher ein dünnes Sicherheitsnetz, das bei jedem „stärkeren Wind“ zu flattern beginnen kann.
Ich kündigte trotzdem meinen Job bei der Lebenshilfe, gab meinen kleinen Wohnsitz auf und verteilte mein Hab und Gut auf die Garagen von Freund:innen und Familie. Was übrig blieb, war erstaunlich wenig.

Eine Wanderausrüstung, die ich schon länger nicht mehr benutzt hatte.
Eine Kühlbox, die schon bessere Tage gesehen hatte.
Ein einfacher Teil einer Couch, den ich als Bett im Bus installierte.
Ein paar Bücher, die ich immer schon lesen wollte, aber nie dazu kam.
Und mein erster Laptop, der den Namen kaum verdiente, da ich damals wirklich noch nichts damit anfangen wusste.

Und dann war es soweit. Ich fuhr los.

Deutschland. Dänemark. Straßen. Die Fähre, die mich von Hirtshals in Dänemark nach Bergen in Norwegen brachte, von Norwegen auf die Färöer-Inseln und von diesen nach Seyðisfjörður.

Ich erinnere mich natürlich nicht mehr an Details dieser Reise. Die genauen Routen, die Namen der Orte, die ich durchquerte, einiges davon ist in den Hintergrund getreten. Aber das Gefühl ist geblieben. Es war enorm echt. Es wurde stiller. Nicht nur um mich herum, sondern auch in mir. Als würde das ständige Rauschen des Alltags langsam leiser und anders werden. Und neu. Und aufregender. Und trotzdem total lebendig.

Als wir schließlich in Seyðisfjörður ankamen, gab es aber noch keine große Erleuchtung. Keinen Moment, in dem plötzlich alles Sinn ergab. Es war kein plötzlicher Durchbruch und auch keine Offenbarung. Es war eher ein langsames Ankommen. Ein Sich-Einfügen in eine Landschaft, die weiter, unbelebter und unberechenbarer war als alles, was ich bis dahin erlebt hatte. Diese Berge, die sich wie stumme Wächter über die Fjorde beugten. Das Licht, das Anfang Juni schon ewig lange Tage brachte, aber noch nicht die Intensität des Sommersonnenuntergangs hatte. Die Stille, die aber nicht bedrückend, sondern richtig einladend war.

Das Leben dort war… echt.

Ich verwende dieses Wort bewusst, obwohl es schwer zu greifen ist. Es bedeutet nicht, dass alles gut war. Es bedeutet nicht einmal, dass ich glücklicher war als heute. Aber es war ungefiltert. Unmittelbar. Ohne die Schichten aus Gewohnheit, Erwartung und Ablenkung, die das moderne Leben so oft über die eigentlichen Erfahrungen legt.

Ich hatte kein Handy. Kein Internet. Keine sozialen Medien.
Keine ständige Verbindung zur Außenwelt, die mich daran erinnert hätte, was ich vermeintlich verpasste.

Ich schrieb in ein Buch. Mit der Hand. Tag für Tag. Gedanken, Beobachtungen, Fragmente. Keine Posts, keine Likes, keine Kommentare. Nur Worte, die für mich selbst bestimmt waren. Und vielleicht, ohne dass ich es damals wusste, auch für dieses spätere Ich, das heute zurückblickt.

Ich war dazu, davon bin ich bis heute überzeugt, einer der wenigen Menschen in diesem Land ohne Fotoapparat. Aber das war keine bewusste Entscheidung im Sinne von „Verzicht“ oder „Digital Detox“. Es war einfach so. Ich hatte nicht die Mittel, nicht die Absicht, nicht das Bedürfnis, Momente festzuhalten. Ich hatte das Bedürfnis, sie zu erleben.

Und Island macht es einem nicht leicht, dort einfach nur zu sein. Dieses Land fordert dich heraus. Der Wind, der dir ins Gesicht schlägt, als würde er dich prüfen wollen: Bist du bereit für das, was kommt? Der Regen, der natürlich nicht fragt, ob es gerade passt, sondern einfach fällt, als wäre er seit Jahrhunderten auf diesen Moment gewartet. Die Kälte, die sich auch an kalten Sommertagen langsam durch jede Schicht Kleidung arbeitet, bis sie die Haut erreicht aber dich schlussendlich nur wieder daran erinnert, dass du lebendig bist.

Mein VW-Bus war alles andere als perfekt. Kein Allrad. Keine Heizung. Oft Eisblumen an den Innenseiten der Scheiben. Ich kochte auf einem kleinen Gaskocher, Wasser holte ich mir irgendwo, was in Island tatsächlich das geringste Problem war. Es gab Bäche, Flüsse, Quellen. Man musste nicht wissen, wo man suchen musste. Sie waren überall.

Es war ein einfaches Leben. Reduziert auf das Wesentliche. Und doch hatte es eine Klarheit, die ich selten wieder so gespürt habe. Die Welt fühlte sich damals anders an. Nicht unbedingt einfacher, aber ehrlicher. Die Klimakrise war noch kein permanenter Begleiter im Denken – zumindest nicht in der Form, wie sie es heute ist. Künstliche Intelligenz existierte noch nicht. Digitalisierung war da, aber sie spielte keine Rolle in meinem Leben. Gar keine. Ich war draußen. Und das war genug. Irgendwann bewegten sich auch die Zeiger meiner VW-Bus-Uhr nicht mehr, ab dann verlor ich jegliches Gefühl Für Zeit, für Tag und Nacht, da es sowieso immer hell war.

Und dann, irgendwann, als der Sommer längst vergangen war und sich die Tage wieder verkürzten, landete ich im Norden. In einem kleinen Ort namens Bíldudalur. Ein Fischerdorf. Abgelegen. Rau. Eingebettet zwischen Fjorden und Bergen, wo das Meer und das Land sich abwechselnd den Raum streitig machten. Die Häuser waren niedrig, als hätten sie sich über die Jahre dem ständigen Kampf gegen die Elemente angepasst. Die Menschen waren zurückhaltend, aber nicht unfreundlich. Sie hatten andere Sorgen als die, die ich aus meinem alten Leben kannte.

Ich begann, in einer Fischfabrik zu arbeiten. Es war echt keine romantische Arbeit. Keine, von der man träumt, wenn man an Island denkt. Es war körperlich. Anstrengend. Monoton. Die Kälte der Hallen, der Geruch von Salz und Fisch, das ständige Geräusch der Maschinen. Aber es hatte etwas Erdendes. Am Ende des Tages wusste man, was man getan hatte. Man sah das Ergebnis. Und man wusste, dass es gebraucht wurde.

Und dann kam der Oktober.

Ich erinnere mich nicht an einen bestimmten Moment, an dem alles kippte. Es war kein plötzlicher Zusammenbruch, keine dramatische Wende. Es war eher ein langsames Einsickern einer neuen Realität. Eine Realität, von der ich nichts ahnte.

Die damalige „Finanzkrise“ hatte Island erreicht. Und ich wusste es nicht.

Keine Nachrichten. Keine Medien. Kaum Internet. Ich war schlicht nicht informiert. Während sich weltweit ein System zu verschieben begann, während Banken zusammenbrachen und Regierungen um Lösungen rangen, stand ich in einer Fischfabrik in Bíldudalur und hatte keine Ahnung, was auf uns zukam.

Bis es plötzlich spürbar wurde.

Zuerst waren es Gerüchte. Einen Tag später Bestätigungen. Dann die ersten konkreten Auswirkungen: Kein Benzin mehr an den Tankstellen. Keine regelmäßige Versorgung mit Lebensmitteln. Die Geldautomaten spuckten keine Scheine mehr aus. Es klingt heute fast abstrakt, fast wie eine Anekdote aus einer anderen Zeit. Aber es war real. Und es war ernst. Island hatte es am frontalsten erwischt.

Wenn kein Benzin da ist, fährt nichts mehr. Keine LKWs. Keine Busse. Keine Autos. Die Straßen, die ohnehin schon nur spärlich befahren waren, wurden noch leerer. Wenn kein Geld verfügbar ist, funktioniert kein Handel mehr. Die Läden hatten noch Waren, aber ohne Bargeld oder funktionierende Kartenzahlung war der Zugang dazu ebenso eingeschränkt. Und das alles in einem abgelegenen Teil eines Landes, das ohnehin schon nicht für seine leichte Erreichbarkeit bekannt ist.

Dazu kamen die ersten Schneefälle. Und kurz darauf wurde klar: Die Pässe würden nicht mehr für normale Fahrzeuge wie meinem geräumt. Die Verbindungen zu den größeren Orten im Süden waren unterbrochen. Bíldudalur war also weitgehend abgeschnitten.

Und ich war dort. Und ich blieb mal noch eine Weile, ob ich wollte oder nicht.

Erst nach mehreren Tagen konnte die Strecke über die Berge, die auf die Route 60 führte, die wiederum erst nach vielen Stunden auf die Ringstraße in Richtung Reykjavík mündete, geräumt werden. Jón, der Bürgermeister des Dorfes, nahm mich mit, denn ich konnte nicht länger in Island bleiben. Chancenlos. Wovon hätte ich leben sollen? Die Fischfabrik, wie alles andere auch, hatte binnen weniger Tage geschlossen. Es war hart, aber ich musste zurück nach Österreich. Mein VW-Bus und mein restliches Hab und Gut blieben in Bíldudalur zurück.

Es war natürlich nicht einfach, einen Flug zu bekommen. Doch dann ergab sich eine Lücke – direkt nach Wien. Meine Mutter und ihr Mann holten mich ab. Auf der Fahrt zurück in die Stadt passierten wir einen schweren Autounfall mit mehreren Schwerverletzten. Ich erinnere mich noch genau: Wir waren das erste Auto am Unfallort. Die Menschen waren zum Teil eingeschlossen, das Auto war total demoliert, meine Mutter kümmerte sich um eine recht panische, umherirrende Frau mit ihrem Kind, während neben uns hunderte Autos vorbeischossen, ohne stehenzubleiben, ohne Hilfe zu holen. In diesem Moment wusste ich: Ich bin wieder zu Hause. Dort, wo jeder auf sich selbst schaut.

Unglücklich in Österreich angekommen, beobachtete ich gespannt, wie Island mit der Situation nun umgehen wird. In Österreich hätte eine solche Krise wahrscheinlich die Chance für Nazis 2.0 bedeutet, für Hetze, für Spaltung, für das Ausnutzen von Angst. Doch Island zeigte uns etwas ganz anderes:

Es gab keinen dramatischen Ausbruch. Kein Geschrei, Kein hektisches Suchen nach Lösungen. Keine Panik. Stattdessen trat etwas anderes ein, das mich bis heute beschäftigt: eine Art stille Gelassenheit. Die Menschen blieben ruhig. Nicht gleichgültig, aber ruhig. Es gab keine kollektive Hysterie. Keine lauten Schuldzuweisungen. Kein Zerreißen des gesellschaftlichen Gefüges. Im Gegenteil.

Es entstand etwas, das man schwer beschreiben kann, wenn man es nicht selbst ein Stück weit miterlebt hat: ein stilles, gemeinsames Tragen dieser Situation. Eine Art stillschweigendes Einverständnis, dass man jetzt zusammenhalten musste. Dass es nicht um individuelle Lösungen ging, sondern um kollektives Handeln.

Island hätte in diesem Moment in jede Richtung kippen können. Populismus, Spaltung, die Suche nach einfachen Antworten und Sündenböcken, alles wäre möglich gewesen. Die Krise war tief. Die Fehler der Regierung waren fatal. Die Unsicherheit groß. Und doch kam es anders.

Die Menschen trafen Entscheidungen. Bewusst. Klar. Ohne Hektik, aber mit Entschlossenheit. Sie vertrauten einer neuen politischen Richtung. Einer Frau, die nicht dem klassischen Bild von Macht und Autorität entsprach: Jóhanna Sigurðardóttir. Sie wurde 2009, mitten in der Krise, zur ersten Ministerpräsidentin Islands gewählt. Und damit nicht nur die erste Frau in diesem Amt, sondern auch die erste offen lesbische Regierungschefin der Welt. Eben keine symbolische Figur, sondern eine Pragmatikerin. Eine ehemalige Flugbegleiterin und Gewerkschafterin, die sich in der Politik von unten hochgearbeitet hatte. Unter ihrer Führung stabilisierte sich das Land. Wieder nicht mit großen Gesten, sondern mit klugen, oft unscheinbaren Schritten: Banken wurden neu geordnet, die Wirtschaft umstrukturiert, und vor allem: die Gesellschaft hielt zusammen. Keine Radikallösungen wie sie bei uns gerne gefordert werden, keine Schuldzuweisungen, das oft einzige Erkennungsmerkmal so mancher österreichischen Partei, sondern ein beharrliches Weitergehen. Als wäre die Krise nicht das Ende, sondern eine Chance, die Dinge anders zu machen. Und das das sind sie immer! Für Länder wie für uns alle.

Und dann, als wäre das noch nicht genug, kam Jón Gnarr. Ein Mann, der vor der Krise vor allem als Komiker und Schauspieler bekannt war. Der Gründer der satirischen Partei Bestsflokkinn („Die Beste Partei“), die mit absurden Wahlversprechen antrat: kostenlose Handtücher in allen Schwimmbädern, ein polarbärfreier Zoo, die Abschaffung aller Steuern – und gleichzeitig die Forderung nach mehr transparenter Korruption. Was als Spaß begann, wurde ernst. 2010 gewann seine Partei überraschend die Kommunalwahlen in Reykjavík, und plötzlich war er Bürgermeister. Wieder kein Politiker im herkömmlichen Sinne, sondern jemand, der die Politik mit einer Mischung aus Humor und Menschlichkeit angehen wollte. Und es funktionierte. Natürlich! Nicht, weil er alles besser wusste, sondern weil er vor allem zuhörte. Weil er die Absurdität der Systeme erkannte und trotzdem daran glaubte, dass man sie etwas ändern bzw. verbessern kann.

Und heute, Jahre später, steht Island da als eines der stabilsten, sichersten und funktionierendsten Länder der Welt.

Wenn ich heute Diskussionen höre über Krisen in unseren reichen Demokratien, über Unsicherheiten, über das Gefühl, „dass alles immer schlimmer wird“, dann denke ich oft an diese Zeit zurück. Nicht, weil ich die aktuellen Probleme relativieren will. Sie sind ebenso real, zumindest für einen Teil der Menschen. Die Herausforderungen sind ebenso echt. Aber ich habe erlebt, wie sich eine echte Krise anfühlt. Nicht nur einmal. Und vor allem: ich habe erlebt und verfolgt, wie man ihr begegnen kann. In Griechenland, in Chile aber eben vor allem in Island.

Es ging eben nicht darum, permanent die Kontrolle zu behalten. Nochmal: Es ging nicht darum, die Schuld bei anderen zu suchen. Es ging darum, sich der Realität zu stellen, um dann gemeinsam nach vorne zu schauen.

Kleiner Nebensatz: Obwohl Island eines der spirituellsten Länder der Welt ist, in dem übernatürliche Erfahrungen oft gemacht und erforscht werden, blieben die Menschen bei sämtlichen Krisen dabei (u.a. auch bei Corona), pragmatische Lösungen zu suchen und zu definieren und bildeten sich nicht ein, ihre politischen oder gesellschaftlichen Entscheidungen hätten mit irgendwelchen abstrusen Glaubenssätzen zu tun!

Vielleicht ist das alles der eigentliche Grund, warum mich diese Geschichte gerade jetzt wieder oft einholt. Weil sie mir eine Richtung zeigt, die mir in unseren Breitengraden oft fehlt. Meine Orientierung hat sich damals verschoben. Weg von dem, was nur laut ist. Weg von dem, was sich in den Mittelpunkt drängt. Weg von den Stimmen, die behaupten, die einzigen Lösungen zu haben.

Hin zu dem, was funktioniert. Nachweislich.

Island. Finnland. Orte, an denen Lösungen entstehen, ohne dass sie ständig inszeniert werden müssen. Orte, an denen Fortschritt nicht bedeutet, sich über andere zu stellen, sondern gemeinsam weiterzugehen. Orte an denen es noch großflächig Vertrauen in Wissenschaft und Institutionen gibt. Und klare Entscheidungen wiederum, wie wir sie ebenso von Ländern im Norden kennen, zeigen auch den sogenannten starken Männern, mit wem sie es zu tun bekommen. Vor Finnland z.B. hat selbst Putin Respekt. Österreich ist er eher mit einem Lächeln dankbar, für die Relativierungen, für die Friedens-Grüße, und teileweise sogar für die Unterstützung aus so mancher Partei und ihren Anhängern…

Ich glaube, genau das ist es, was ich mit 45 stärker denn je spüre: Dass es nicht darum geht, „Recht zu haben“ sondern sich das Recht zu nehmen, genauer hinzuschauen. Dass es nicht darum geht, besser zu wirken. Nicht darum, lauter zu sein als die anderen. Sondern darum, besser zu werden in dem man auch dort hinschaut, wo die Dinge besser gemacht wurden und man als Kollektiv besser zusammenlebt als anderswo. Und diese Dinge versucht umzusetzen.

Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte hinter dieser Zahl. Nicht eine Bilanz dessen, was war, sondern eine Einladung, gemeinsam genauer hinzusehen. Dorthin, wo es gelingt. Dorthin, wo Menschen trotz aller Widrigkeiten den Weg zueinander finden. Dorthin, wo die Zukunft nicht als Bedrohung, sondern als gemeinsame Aufgabe begriffen wird.

Und vielleicht beginnt diese Geschichte nicht mit dem Blick zurück, sondern mit der Entscheidung, jeden nächsten Schritt bewusster zu setzen.

Wer weiterhin Texte von mir lesen möchte, unterstützt dies am besten mit einem Einkauf bei revaLoops.

Danke.

Titelbild: Ludovit Kiss, Hornstrandir